IV.
Zbyszko ergriff die Füße der Herrin von Plock und bot ihr seine Dienste an, doch sie erkannte ihn im ersten Augenblick nicht, da sie ihn seit langer Zeit nicht gesehen hatte. Erst als er ihr sagte, wie er hieß, sprach sie:
„Wahrhaftig! Und ich dachte, es sei jemand vom königlichen Hof. Zbyszko von Bogdanietz! Sieh an! Euer Oheim, der alte Ritter von Bogdanietz, war hier zu Gast, und ich erinnere mich, wie mir und meinen Hofdamen die Tränen in Strömen flossen, als er uns von euch erzählte. Und habt ihr eure Frau gefunden? Wo ist sie jetzt?“
„Sie ist mir gestorben, gnädige Frau ...“
„O lieber Jesus! Sagt nichts, denn ich kann das Weinen nicht zurückhalten. Das Einzige, was tröstet, ist, dass sie sicherlich im Himmel ist, und ihr seid jung. Starker Gott! Ein schwaches Geschöpf ist jedes Weib. Aber im Himmel gibt es für alles einen Lohn, und dort werdet ihr sie finden. Und der alte Ritter von Bogdanietz ist hier bei euch?“
„Er ist nicht da, denn er ist in Gefangenschaft bei den Kreuzrittern, aus der ich reise, um ihn freizukaufen.“
„Auch ihm war kein Glück beschieden! Und er schien ein kluger Mann zu sein, der alle Sitten kannte. Aber wenn ihr ihn freigekauft habt, kommt auch zu uns. Gerne werden wir euch bewirten, denn ich sage aufrichtig, dass es ihm an Verstand und euch an Schönheit nicht mangelt.“
„Das werden wir tun, gnädige Frau, umso mehr, als ich jetzt absichtlich hierhergekommen bin, um Eure Liebden um ein gutes Wort für ihn zu bitten.“
„Gut. Kommt morgen vor der Abfahrt zur Jagd, dann werde ich Zeit haben ...“
Weitere Worte wurden erneut durch den Lärm von Trompeten und Pauken unterbrochen, die die Ankunft des Herzogspaares Janusz von Masowien ankündigten. Da Zbyszko und die Herrin von Plock dicht am Eingang standen, bemerkte Herzogin Anna Danuta ihn sofort und näherte sich ihm sogleich, ohne auf die Verbeugungen des Gastgebers, des Starosten, zu achten.
Und in dem Jüngling riss das Herz von neuem auf bei ihrem Anblick, also kniete er vor ihr nieder, umfasste mit den Händen ihre Knie und kniete schweigend, während sie sich über ihn beugte, ihm mit den Händen die Schläfen umfasste und Träne um Träne auf seinen hellen Kopf fallen ließ, ganz wie eine Mutter, die über das Unglück ihres Sohnes weint.
Und zum großen Erstaunen der Hofleute und Gäste weinte sie so lange, wiederholend: „O Jesus, o barmherziger Jesus!“ – dann hob sie Zbyszko von den Knien und sprach:
„Ich weine um sie, um meine Danusia, und ich weine um dich. Gott hat es jedoch so gefügt, dass deine Mühen vergeblich waren und nun auch unsere Tränen vergeblich sind. Aber erzähle mir von ihr und ihrem Tod, selbst wenn ich bis Mitternacht zuhöre, es wird mir nie genug sein.“
Und sie nahm ihn beiseite, so wie zuvor der Herr von Taczew ihn genommen hatte.
Diejenigen unter den Gästen, die Zbyszko nicht kannten, begannen, nach seinen Abenteuern zu fragen, und auf diese Weise sprachen eine Zeitlang alle über ihn, über Danusia und über Jurand. Auch die Kreuzrittergesandten erkundigten sich, Friedrich von Weden, der Komtur von Thorn, der zur Begrüßung des Königs gesandt worden war, und Johann von Schönfeld, der Komtur von Osterode. Dieser, ein Deutscher, aber gebürtig aus Schlesien, der gut Polnisch konnte, erkundigte sich leicht, worum es ging, und nachdem er die Erzählung aus dem Mund von Jaschko von Zabierz, einem Hofmann des Herzogs Janusz, gehört hatte, sprach er:
„Danveld und de Loewe waren dem Meister selbst verdächtig, sie trieben schwarze Magie.“
Dann überlegte er sogleich, dass das Erzählen solcher Dinge jedoch einen Schatten auf den ganzen Orden werfen könnte, wie er einst auch auf die Templer gefallen war, und fügte schnell hinzu:
„So zumindest erzählten die Schwätzer, aber das war nicht wahr, denn solche gibt es nicht unter uns.“
Aber der in der Nähe stehende Herr von Taczew antwortete:
„Wem die Taufe Litauens ein Dorn im Auge war, dem mag auch das Kreuz zuwider sein.“
„Wir tragen das Kreuz auf den Mänteln – antwortete Schönfeld stolz.“
Daraufhin entgegnete Powala:
„Aber man muss es im Herzen tragen.“
Inzwischen erklangen die Trompeten noch lauter, und der König kam, und mit ihm der Erzbischof von Gnesen, der Bischof von Warschau, der Bischof von Krakau, der Bischof von Plock, der Kastellan von Krakau und einige andere Würdenträger und Hofleute, unter denen sich auch Zyndram von Maszkowice, vom Wappen der Sonne, und der junge Fürst Jamont, der Leibdiener des Herrn, befanden.
Der König hatte sich kaum verändert seit der Zeit, als Zbyszko ihn nicht gesehen hatte. Auf den Wangen hatte er dieselben starken Röte, dieselben langen Haare, die er alle Augenblicke hinter die Ohren strich, und ebenso unruhige, stechende Augen. Es schien Zbyszko nur, dass er mehr Würde und mehr Majestät an sich hatte, als ob er sich schon sicherer auf diesem Thron fühlte, den er nach dem Tod der Königin zunächst hatte verlassen wollen, nicht wissend, ob er sich auf ihm behaupten würde, und als ob er sich jetzt seiner unermesslichen Macht und Stärke bewusster wäre.
Beide masowischen Herzöge stellten sich sogleich zur Seite des Herrn, von vorne machten die deutschen Gesandten ihre Begrüßungsverbeugungen, und ringsherum stellten sich die Würdenträger und die vornehmsten Hofleute auf. Die Mauern, die den Hof umgaben, zitterten von den unaufhörlichen Rufen, vom Klang der Trompeten und dem Donnern der Pauken.
Als endlich Stille eintrat, begann der Kreuzrittergesandte von Wenden etwas über die Angelegenheiten des Ordens zu sagen, aber der König, als er nach einigen Worten merkte, worauf die Einleitung abzielte, winkte ungeduldig mit der Hand ab und sprach mit seiner groben, lauten Stimme:
„Schweig! Zur Freude sind wir hierhergekommen – und Speis und Trank, nicht deine Pergamente wollen wir sehen.“
Doch lächelte er dabei gütig, nicht wollend, dass der Kreuzritter dächte, er antworte ihm zornig, und fügte hinzu:
„Über Angelegenheiten wird Zeit sein, mit dem Meister in Raciążek zu sprechen.“
Dann zu Herzog Ziemowit:
„Und morgen in die Wildnis zur Jagd – ja?“
Diese Frage war zugleich eine Ankündigung, dass er an diesem Abend über nichts anderes sprechen wollte, als über die Jagd, die er von ganzem Herzen liebte und wegen derer er gerne nach Masowien kam, da Klein- und Großpolen weniger waldreich waren und in manchen Gebieten bereits so besiedelt, dass es ihnen gänzlich an Wäldern mangelte.
Also heiterten sich die Gesichter auf, denn man wusste, dass der König beim Gespräch über die Jagd auch fröhlich und überaus gnädig zu sein pflegte. Herzog Ziemowit begann sogleich zu erzählen, wohin sie fahren und auf welches Wild sie jagen würden, und Herzog Janusz schickte einen der Hofleute, um seine beiden „Bewaffneten“ aus der Stadt zu holen, die Wisente aus den Dickichten an den Hörnern herausführten und Bären die Knochen brachen, denn er wollte sie dem König zeigen.
Zbyszko wollte sehr gerne hingehen, um sich vor dem Herrn zu verneigen, aber er konnte nicht zu ihm gelangen. Von weitem nur nickte ihm der junge Fürst Jamont, offenbar die scharfe Antwort vergessend, die ihm der junge Ritter einst in Krakau gegeben hatte, freundlich zu und gab ihm zugleich durch Zeichen zu verstehen, dass er sich bei Gelegenheit ihm nähern solle.
Aber in diesem Augenblick berührte eine Hand die Schulter des jungen Ritters, und eine süße, traurige Stimme erklang dicht neben ihm: „Zbyszko ...“
Der Jüngling wandte sich um und erblickte vor sich Jagienka. Zuvor beschäftigt mit der Begrüßung der Herzogin Ziemowitowa und dann mit dem Gespräch mit der Herzogin Januszowa, hatte er sich bisher dem Mädchen nicht nähern können, also kam sie selbst, die Verwirrung nutzend, die die Ankunft des Königs verursacht hatte, zu ihm.
„Zbyszko – wiederholte sie – mögen dich Gott und die Allerheiligste Jungfrau trösten!“
„Gott vergelt's euch – antwortete der Ritter.“
Und er blickte dankbar in ihre blauen Augen, die sich in diesem Augenblick wie mit Tau verschleierten. Dann standen sie schweigend voreinander, denn obwohl sie zu ihm gekommen war wie eine gute und traurige Schwester, erschien sie ihm dennoch in ihrer fürstlichen Haltung und in den prächtigen Hofkleidern so anders als die frühere Jagienka, dass er im ersten Augenblick nicht einmal wagte, sie mit „du“ anzureden, wie einst in Zgorzelice und in Bogdanietz. Sie aber dachte, dass sie nach diesen Worten, die sie gesprochen hatte, ihm nichts mehr zu sagen habe.
Und sogar Verlegenheit spiegelte sich auf ihren Gesichtern. Aber in diesem Augenblick entstand ein Gedränge auf dem Hof, denn der König hatte sich zum Abendessen niedergesetzt. Zu Zbyszko näherte sich wieder Herzogin Januszowa und sprach:
„Eine traurige Mahlzeit wird das für uns sein. Aber diene mir, wie du mir einst gedient hast.“
Also musste der junge Ritter von Jagienka weggehen, und als die Gäste sich gesetzt hatten, stellte er sich neben der Bank hinter dem Rücken der Herzogin auf, um die Schalen zu wechseln und ihr Wasser und Wein einzuschenken. Während des Dienens blickte er unwillkürlich ab und zu auf Jagienka, die als Hofdame der Herzogin von Plock dicht neben ihr saß – und ebenfalls unwillkürlich musste er ihre Schönheit bewundern.
Jagienka war in diesen paar Jahren beträchtlich gewachsen, aber sie hatte sich dennoch nicht so sehr durch ihre Größe verändert, sondern durch eine Würde, von der sie vorher nicht einmal eine Spur gehabt hatte. Früher, wenn sie im Pelzjäckchen und mit Blättern im zerzausten Haar auf dem Pferd durch die Wälder und Forste jagte, hätte man sie wohl für ein hübsches Bauernmädchen halten können; jetzt sah man auf den ersten Blick in ihr ein Mädchen von bedeutendem Geschlecht und hohem Blut – eine solche Ruhe lag auf ihrem Gesicht.
Zbyszko bemerkte auch, dass ihre frühere Fröhlichkeit verschwunden war, aber das wunderte ihn weniger, denn er wusste vom Tod Zychs. Mehr wunderte ihn jedoch eine gewisse Würde an ihr, und anfangs schien es ihm, dass ihre Kleidung ihr diesen Anschein verlieh. Also blickte er abwechselnd auf das goldene Stirnband, das ihre schneeweiße Stirn und die dunklen Haare umschloss, die in zwei Zöpfen auf den Rücken fielen, dann auf das blaue, eng anliegende Gewand, das mit einem purpurnen Streifen eingefasst war und unter dem sich ihre schlanke Gestalt und ihre jungfräuliche Brust deutlich abzeichneten – und sagte sich: „Wahrhaftig, eine richtige Fürstin!“ Aber dann erkannte er, dass nicht nur die Kleidung die Ursache der Veränderung war, und dass er sie, selbst wenn sie jetzt einen einfachen Pelz anziehen würde, nicht mehr so leicht nehmen und so kühn mit ihr sein könnte wie früher.
Er bemerkte daraufhin, dass verschiedene junge, ja sogar ältere Ritter sie aufmerksam und gierig anstarrten, und einmal, als er vor der Herzogin die Schale wechselte, erblickte er das verträumte und wie verzückte Gesicht des Herrn de Lorche, und bei diesem Anblick verspürte er Zorn gegen ihn in seiner Seele. Auch der geldrische Ritter entging nicht der Aufmerksamkeit der Herzogin Januszowa, die, nachdem sie ihn erkannt hatte, plötzlich sprach:
„Siehst du de Lorche? Sicherlich ist er wieder in jemanden verliebt, denn er ist ganz geblendet!“
Daraufhin beugte sie sich ein wenig über den Tisch und, zur Seite auf Jagienka blickend, sprach sie:
„Wahrlich, da erlöschen die anderen Kerzen neben dieser Fackel.“
Zbyszko zog es jedoch zu Jagienka hin, denn sie erschien ihm wie eine liebende und geliebte Verwandte, und er fühlte, dass er keine bessere Gefährtin im Kummer und kein größeres Erbarmen in irgendeinem anderen Herzen finden würde, aber an diesem Abend konnte er nicht mehr mit ihr sprechen, und zwar deshalb, weil er mit dem Dienst beschäftigt war, und zweitens, weil während des gesamten Mahls die Spielleute Lieder sangen oder die Trompeten eine so lärmende Musik machten, dass selbst die, die nebeneinander saßen, einander kaum hören konnten. Auch beide Herzoginnen, und mit ihnen die Frauen, standen früher von den Tischen auf als der König, die Herzöge und die Ritter, die die Gewohnheit hatten, sich bis spät in die Nacht mit den Bechern zu vergnügen. Jagienka, die ein Sitzkissen für die Herzogin trug, konnte sich nicht gut aufhalten, also ging sie ebenfalls, lächelte nur beim Gehen Zbyszko noch einmal zu und nickte ihm zu.
Erst spät vor Tagesanbruch kehrten der junge Ritter, Herr de Lorche und ihre beiden Knappen zur Herberge zurück. Eine Zeitlang gingen sie in Gedanken versunken, aber als sie schon nahe am Haus waren, begann de Lorche etwas zu seinem Knappen zu sagen, einem Pommern, der gut Polnisch konnte, und dieser wandte sich dann an Zbyszko:
„Mein Herr möchte Eure Liebden etwas fragen.“
„Gut – antwortete Zbyszko.“
Daraufhin sprachen jene wieder eine Weile miteinander, woraufhin der Pommer, sich ein wenig unter dem Schnurrbart lächelnd, sprach:
„Mein Herr möchte fragen: Ist es sicher, dass dieses Fräulein, mit dem Eure Liebden vor dem Mahl gesprochen hat, sterblich ist, oder ist es vielmehr ein Engel oder eine Heilige?“
„Sag deinem Herrn – antwortete Zbyszko mit einer gewissen Ungeduld – dass er mich schon früher ebenso gefragt hat und dass es mich förmlich wundert, das zu hören. Denn wie: in Spychów sagte er mir, dass er sich an den Hof des Fürsten Witold wegen der Schönheit der Litauerinnen begeben wolle, dann aus demselben Grund wollte er nach Plock reisen, in Plock wollte er heute den Ritter von Taczew wegen Agnes von Długolas zum Zweikampf fordern, und jetzt zielt er wieder auf eine andere. Ist das seine Beständigkeit und sein ritterlicher Glaube?“
Herr de Lorche hörte sich diese Antwort aus dem Mund seines Pommern an, seufzte tief, blickte einen Moment in den stark erblassenden Himmel und antwortete auf Zbyszkos Vorwürfe wie folgt:
„Du sprichst recht. Weder Beständigkeit noch Treue! denn ich bin ein sündiger Mensch, unwürdig, die Rittersporen zu tragen. Was das Fräulein Agnes von Długolas betrifft – wahr, ich habe ihr gelobt, und Gott gebe, dass ich durchhalte, aber höre, wie ich dich rühren werde, wenn ich dir erzähle, wie grausam sie mit mir auf der Burg in Czersk umging.“
Hier seufzte er erneut, blickte zum Himmel, an dessen Osten sich ein immer hellerer Streifen bildete, und nachdem er gewartet hatte, bis der Pommer seine Worte übersetzt hatte, fuhr er nach einem Augenblick fort:
„Sie sagte, dass ein gewisser Zauberer ihr Feind sei, der in einem Turm mitten in den Wäldern wohne und jedes Jahr einen Drachen gegen sie aussende, und der trete jeden Frühling vor die Mauern von Czersk und schaue, ob er sie nicht ergreifen könnte. Als sie das sagte, erklärte ich sogleich, dass ich gegen den Drachen kämpfen würde. Ach! höre, was ich weiter erzähle: als ich an der bezeichneten Stelle stand, erblickte ich ein schreckliches Ungetüm, das regungslos auf mich wartete, und Freude erfüllte meine Seele, denn ich dachte, dass ich entweder fallen oder die Jungfrau aus dem garstigen Rachen retten und unsterblichen Ruhm erlangen würde. Aber als ich aus der Nähe mit der Lanze auf das Ungetüm einstach, was, wie meinst du, erblickte ich? Siehe, einen großen Sack Stroh auf hölzernen Pflöcken, mit einem Schwanz aus Stricken! Und menschliches Gelächter, nicht Ruhm, erntete ich, und sogar zwei masowische Ritter musste ich danach fordern, von denen beiden ich im Turnier schwere Einbuße erlitt. So handelte sie an mir, die ich über alle verehrte und als die Einzige lieben wollte ...“