VI.
Zbyszko begann hastig zu fragen, wie es voranging, wie viele Reiter, wie viele Fußknechte es seien und vor allem, wie weit sie sich noch befänden. Aus der Antwort des Żmujdzin erfuhr er, dass die Schar nicht mehr als hundertfünfzig Krieger zählte, darunter fünfzig zu Ross, angeführt nicht von einem Kreuzritter, sondern von einem weltlichen Ritter; dass sie in geschlossener Ordnung marschierten und leere Wagen mit sich führten, auf denen Ersatzräder lagen; dass vor der Abteilung in der Entfernung von zwei Bogenschüssen eine „Wache“ von acht Mann vorauszog, die oft vom Weg abbog und den Wald und das Dickicht erkundete; und schließlich, dass sie sich etwa eine Viertelmeile entfernt befanden.
Zbyszko war nicht sehr erfreut darüber, dass sie in geschlossener Ordnung marschierten. Aus Erfahrung wusste er, wie schwer es dann war, die gefügigen Kreuzritter auseinanderzureißen, und wie eine solche „Kuppe“ sich zurückziehend zu wehren und zu hauen verstand, gleich einem von Hunden gestellten Keiler. Dagegen freute ihn die Nachricht, dass sie nicht weiter als eine Viertelmeile entfernt waren; denn daraus schloss er, dass jener Trupp, den er zuvor ausgesandt hatte, den Kreuzrittern bereits den Rücken abgeschnitten hatte und im Falle einer Niederlage keine lebende Seele durchlassen würde. Was die Wache anbetraf, die vor dem Zug marschierte, so machte er sich nicht viel daraus; er hatte nämlich schon vorher, da er es von vornherein erwartet hatte, den Seinen befohlen, entweder jene Wache ruhig passieren zu lassen oder, falls die Leute den Wald erkunden wollten, sie einen nach dem anderen geräuschlos herauszufangen.
Doch dieser letzte Befehl erwies sich als überflüssig. Der Vortrab kam bald heran. Die unter Windwürfen nahe am Weg verborgenen Żmujdzini sahen deutlich, wie diese Knechte, an der Biegung angelangt, miteinander zu sprechen begannen. Der Anführer, ein stämmiger rothaariger Kreuzritter, gebot ihnen durch ein Zeichen Schweigen und lauschte dann. Einen Augenblick schien er zu schwanken, ob er nicht in den Wald einbiegen solle; schließlich, da er nur das Klopfen der Spechte hörte, dachte er offenbar, dass die Vögel nicht so sorglos arbeiten würden, wenn jemand im Walde versteckt wäre; also winkte er ab und führte die Abteilung weiter.
Zbyszko wartete ab, bis sie hinter der nächsten Biegung verschwunden waren, dann rückte er an der Spitze der schwerer gerüsteten Männer leise bis dicht an den Weg heran. Es befanden sich unter ihnen Maćko, der Czech, zwei Włodyken aus Łękawica, drei junge Ritter aus Ciechanów und etwa ein Dutzend vornehmere, besser bewaffnete Bojaren der Żmujdzini. Ein weiteres Verstecken war nicht mehr nötig; Zbyszko hatte daher die Absicht, sich sofort, sobald die Kreuzritter erschienen, mitten auf die Straße vorzuschieben, anzugreifen, auf sie einzudringen und sie auseinanderzureißen. Gelänge das und würde der allgemeine Kampf zu einer Reihe von Einzelgefechten, so konnte er sicher sein, dass die Żmujdzini mit den Kreuzrittern fertig würden.
Und wieder trat ein Augenblick der Stille ein, die nur durch das gewöhnliche Waldgeräusch unterbrochen wurde. Bald aber drangen von der Ostseite des Weges menschliche Stimmen an die Ohren der Krieger. Anfangs noch vermischt und ziemlich entfernt, wurden sie allmählich immer näher und deutlicher.
Im selben Augenblick führte Zbyszko seine Schar auf die Mitte des Weges und stellte sie keilförmig auf. Er selbst stand an der Spitze, unmittelbar hinter sich Maćko und den Czech. In der nächsten Reihe standen drei Mann, in der darauffolgenden vier.
Alle waren gut bewaffnet: zwar fehlten ihnen die mächtigen „Bäume“, das heißt die Ritterlanzen, denn diese waren bei Waldmärschen sehr hinderlich; dafür hielten sie kurze und leichtere Spieße der Żmujdzini für den ersten Angriff in den Händen und Schwerter und Streitäxte an den Sätteln für den Kampf im Gedränge.
Hlawa spitzte die Ohren, horchte und flüsterte dann Maćko zu:
„Sie singen, die Verfluchten!“
„Aber ich wundere mich, dass sich der Wald da vor uns schließt und dass wir sie noch nicht sehen“, antwortete Maćko.
Darauf wandte sich Zbyszko, der weiteres Verstecken und selbst leises Reden für überflüssig hielt, um und sagte:
„Weil die Straße dem Bach entlang führt und sich dadurch oft krümmt. Wir werden sie unvermutet sehen, aber das ist besser.“
„Und wie lustig sie singen!“ wiederholte der Czech.
In der Tat sangen die Kreuzritter keineswegs ein frommes Lied, was schon an der Melodie zu erkennen war. Horchte man genauer, so konnte man auch unterscheiden, dass nicht mehr als ein Dutzend Leute sangen und nur ein Wort von allen wiederholt wurde, das wie Donner durch den Wald hallte.
So zogen sie dem Tod entgegen, fröhlich und voller Eifer.
„Gleich werden wir sie sehen“, sagte Maćko.
Dabei verfinsterte sich sein Gesicht plötzlich und bekam einen wolfsartigen Ausdruck; denn seine Seele war unerbittlich und rachsüchtig, und außerdem hatte er noch nicht den Armbrustschuss vergolten, den er damals erhalten hatte, als er, um Zbyszko zu retten, mit dem Brief der Witoldowa zum Hochmeister aufgebrochen war.
So begann sich nun sein Herz zu empören, und die Rachegier überkam ihn wie siedendes Wasser.
„Dem wird es nicht gut ergehen, der sich mit ihm zuerst einlässt“, dachte Hlawa, als er den alten Ritter ansah.
Inzwischen trug der Wind deutlich den Ruf herbei, den alle im Chor wiederholten: „Tandaradei, tandaradei!“ – und zugleich hörte der Czech die Worte eines ihm bekannten Liedes:
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„Bi den rosen er wol mac,
Tandaradei!
Merken wa mir'z houlet lac...“
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Plötzlich verstummte das Lied, denn zu beiden Seiten des Weges erhob sich ein so lärmendes und lautes Krächzen, als ob in diesem Waldwinkel ein Reichstag der Raben stattfände. Die Kreuzritter wunderten sich jedoch, woher so viele kommen konnten und warum alle Stimmen vom Boden kamen und nicht von den Baumwipfeln. Die erste Reihe der Knechte war eben um die Biegung gekommen und blieb wie angewurzelt stehen beim Anblick der unbekannten, gegenüberstehenden Reiter.
Und im selben Augenblick beugte sich Zbyszko im Sattel vor, stieß die Sporen in das Pferd und jagte los:
„Auf sie!“
Die anderen jagten hinter ihm her. Von beiden Seiten des Waldes erhob sich ein fürchterliches Geschrei der Krieger der Żmujdzini. Etwa zweihundert Schritte trennten Zbyskos Leute von den Kreuzrittern, die im Nu einen Wald von Spießen auf die Reiter senkten, während die hinteren Reihen sich mit gleicher Schnelligkeit nach beiden Seiten des Waldes wandten, um sich gegen einen Angriff von der Seite zu wehren. Die polnischen Ritter hätten diese Gewandtheit bewundert, wenn sie Zeit zum Bewundern gehabt hätten und wenn die Pferde sie nicht in vollster Eile den blinkenden, entgegengestreckten Spitzen entgegengetragen hätten.
Zu Zbyskos Glück befand sich die Reiterei der Kreuzritter hinten bei den Wagen. Sie rückte zwar sofort gegen ihr Fußvolk vor, konnte es aber weder durchqueren noch umgehen und somit auch nicht vor dem ersten Anprall schützen. Zudem umschwärmte sie selbst ein Gewimmel von Żmujdzini, die aus dem Dickicht hervorschwärmten wie ein giftiger Bienenschwarm, dessen Nest ein unvorsichtiger Wanderer mit dem Fuß angerührt hat. Zbyszko war inzwischen mit seinen Leuten auf das Fußvolk gestoßen.
Und er stieß vergeblich an. Die Kreuzritter hatten die hinteren Enden der schweren Spieße und Hellebarden in die Erde gerammt und hielten sie so gleichmäßig und fest, dass die leichten Pferde der Żmujdzini diese Mauer nicht durchbrechen konnten. Maćkos Pferd, das von einer Hellebarde am Schienbein getroffen wurde, bäumte sich und schlug dann mit den Nüstern in die Erde.
Einen Augenblick schwebte der Tod über dem alten Ritter; doch dieser, aller Kämpfe kundig und in Abenteuern erfahren, zog die Füße aus den Steigbügeln, packte mit gewaltiger Hand die Spitze einer Kreuzritterlanze, die statt in seine Brust zu dringen, ihm als Stütze diente, sprang dann auf, schlüpfte zwischen die Pferde, zog das Schwert und begann damit auf die Spieße und Hellebarden einzudringen, gleich einem räuberischen Falken, der wütend auf einen Schwarm langschnäbliger Kraniche einhackt.
Zbyszko, als sein im Ansturm aufgehaltenes Pferd sich fast ganz auf die Hinterbeine setzte, stützte sich auf den Wurfspieß und brach ihn; also griff er ebenfalls zum Schwert. Der Czech, der am meisten auf die Streitaxt vertraute, schleuderte sie in den Haufen der Kreuzritter und blieb für den Augenblick unbewaffnet. Einer der Włodyken aus Łękawica fiel; den anderen erfasste bei diesem Anblick eine Wut, so dass er wie ein Wolf zu heulen begann, sein blutiges Pferd aufbäumte und blindlings in die Mitte des Haufens drängte. Die Bojaren der Żmujdzini hieben mit den Klingen auf die Spitzen und Schäfte ein, hinter denen die Gesichter der Knechte hervorsahen, wie von Staunen ergriffen, aber auch wie zusammengekniffen vor Trotz und Hartnäckigkeit. Doch die Ordnung wurde nicht durchbrochen. Die Żmujdzini, die von der Seite angegriffen hatten, wichen zunächst vor den Kreuzrittern zurück wie vor einem Igel. Sie kehrten zwar bald mit noch größerem Ungestüm zurück, aber sie konnten nichts ausrichten.
Einige kletterten im Nu auf die am Wege stehenden Kiefern und begannen mit Bogen in die Mitte der Knechte zu schießen, deren Anführer, als er das bemerkte, den Befehl zum Rückzug gegen die eigene Reiterei gab. Die Armbrustschützen der Kreuzritter begannen ebenfalls zurückzuschießen; so fiel dann und wann ein zwischen den Ästen verborgener Żmujdzin wie ein reifer Zapfen zu Boden, zog im Todeskampf mit den Händen das Moos des Waldes oder zappelte wie ein aus dem Wasser genommener Fisch. Von allen Seiten umzingelt, konnten die Kreuzritter freilich nicht auf Sieg hoffen; da sie jedoch die Wirksamkeit ihrer Gegenwehr sahen, meinten sie, dass vielleicht doch eine Handvoll sich aus der Niederlage zurückziehen und wieder bis zum Fluss gelangen könnte.
Keinem kam der Gedanke, sich zu ergeben; denn da sie selbst keine Gefangenen schonten, wussten sie, dass sie bei dem zur Verzweiflung getriebenen und aufrührerischen Volk auf kein Erbarmen rechnen konnten. So zogen sie sich schweigend zurück, Mann an Mann, Schulter an Schulter, hoben und senkten die Spieße und Hellebarden, hieben, stachen, schossen mit den Armbrüsten, soweit der Kampfeslärm es erlaubte, und näherten sich beständig ihrer Reiterei, die auf Leben und Tod mit anderen Scharen der Feinde kämpfte.
Da geschah etwas Unerwartetes, das das Schicksal des hartnäckigen Kampfes entschied. Jener Włodyka aus Łękawica, den nach dem Tode seines Bruders die Raserei ergriffen hatte, bückte sich, ohne vom Pferd zu steigen, und hob einen Leichnam vom Boden auf, offenbar in der Absicht, ihn vor Zertreten zu schützen und einstweilen an einem ruhigen Ort abzulegen, um ihn nach dem Kampf leichter wiederzufinden. Aber im selben Augenblick überkam ihn eine neue Woge der Wut und raubte ihm völlig die Besinnung; denn statt auszuweichen, stieß er auf die Knechte zu und warf den Toten auf die Spitzen der Spieße; diese drangen in dessen Brust, Bauch und Hüften und senkten sich unter der Last, und ehe die Knechte sie herausziehen konnten, stürzte der Wahnsinnige durch die entstandene Lücke in die Reihen, Menschen umwerfend wie ein Sturm.
Im Nu streckten sich Dutzende von Händen nach ihm aus, Dutzende von Spießen durchbohrten die Flanken des Pferdes; aber inzwischen gerieten die Reihen in Unordnung, und ehe sie sich wieder gesammelt hatten, drang zuerst einer der Bojaren der Żmujdzini ein, der am nächsten stand, dann Zbyszko, dann der Czech, und die schreckliche Verwirrung wuchs mit jedem Augenblick. Andere Bojaren griffen ebenfalls nach den Leichen der Gefallenen und begannen sie auf die Spitzen zu werfen; von den Seiten drangen wieder die Żmujdzini ein. Der ganze bis dahin gefügte Haufen schwankte, erzitterte wie ein Haus, dessen Wände bersten, spaltete sich wie ein Baum unter dem Keil und barst schließlich.
Der Kampf verwandelte sich im Nu in ein Gemetzel. Die langen Spieße der Kreuzritter und die Hellebarden wurden im Gedränge unbrauchbar. Dagegen knirschten die Klingen der Reiter auf Schädeln und Nacken. Die Pferde drückten sich in die Menschenmasse, warfen die unglücklichen Knechte nieder und zertrampelten sie. Den Reitern fiel es leicht, von oben herabzuhauen; sie hieben daher ohne Atemholen und Rast. Von den Seiten des Weges strömten immer neue Scharen wilder Krieger in Wolfspelzen und mit wölfischer Blutgier in der Brust hervor. Ihr Heulen übertönte die flehenden Stimmen um Gnade und das Stöhnen der Sterbenden.
Die Besiegten warfen die Waffen fort; einige versuchten, in den Wald zu entkommen; andere, die sich tot stellten, fielen zu Boden; noch andere standen aufrecht, mit Gesichtern weiß wie Schnee und geschlossenen Augen; wieder andere beteten; einer, dem vor Entsetzen offenbar der Verstand vergangen war, begann auf einer Pfeife zu spielen, lächelte dabei und blickte zum Himmel, bis eine Keule der Żmujdzini ihm den Kopf zerschmetterte. Der Wald rauschte nicht mehr, als hätte er sich vor dem Tod erschrocken.
Endlich schmolz die Handvoll Kreuzritter dahin. Nur hier und da erklang im Dickicht der Lärm eines kurzen Kampfes oder ein durchdringender Schrei der Verzweiflung. Zbyszko und Maćko und hinter ihnen alle Reiter sprangen nun auf die Reiterei zu.
Diese wehrte sich noch, im Kreis aufgestellt; denn so hatten sich die Kreuzritter stets verteidigt, wenn der Feind sie mit überlegener Macht hatte umzingeln können. Die Reiter saßen auf kleinen Pferden, waren besser gerüstet als die Fußknechte und kämpften tapfer und mit bewundernswerter Beharrlichkeit. Es war kein weißer Mantel unter ihnen, sondern meistens der mittlere und niedere Adel, der die Pflicht hatte, auf Befehl des Ordens in den Krieg zu ziehen. Ihre Pferde waren größtenteils ebenfalls gepanzert, einige mit Roßharnischen, alle mit eisernen Stirnriemen, in deren Mitte ein stählernes Horn angebracht war. Das Kommando über sie führte ein großer, schlanker Ritter in einem dunkelblauen Panzer und einem ebensolchen Helm mit geschlossenem Visier.
Aus den Tiefen des Waldes fiel ein Hagel von Pfeilen auf sie; aber die Spitzen prallten wirkungslos an den Stirnriemen, den Panzern und gehärteten Schulterstücken ab. Ein Wall von Fußkriegern und Reitern der Żmujdzini umgab sie dicht; doch sie wehrten sich, hieben und stachen mit langen Schwertern so verbissen, dass vor den Hufen der Pferde ein Kranz von Leichen lag. Die ersten Reihen der Angreifer wollten sich zurückziehen, konnten es aber, von hinten gedrängt, nicht. Ringsum entstand Gedränge und Verwirrung. Die Augen wurden geblendet vom Flimmern der Spieße, vom Blitzen der Schwerter. Die Pferde begannen zu wiehern, zu beißen und auszuschlagen. Die Bojaren der Żmujdzini drangen heran, Zbyszko und der Czech und die Masowier drangen heran. Unter ihren gewaltigen Hieben begann die „Kuppe“ zu schwanken und zu wogen wie ein Wald im Sturm; und sie, gleich Holzfällern, die ein Walddickicht roden, schoben sich langsam vorwärts in Mühsal und Anstrengung.
Doch Maćko ließ auf dem Schlachtfeld lange Kreuzritter-Hellebarden aufsammeln, bewaffnete damit etwa dreißig wilde Krieger und begann, sich durch das Gedränge gegen die Kreuzritter vorzuarbeiten. Als er heran war, rief er: „Die Pferde an den Beinen!“ – und sogleich zeigte sich die furchtbare Wirkung. Die deutschen Ritter konnten mit ihren Schwertern seine Leute nicht erreichen, während die Hellebarden unbarmherzig die Pferdebeine zerschmetterten. Da erkannte der blaue Ritter, dass das Ende des Kampfes nahte und dass ihm nur übrigblieb, entweder durch diese Schar, die den Rückweg abschnitt, durchzubrechen oder zu fallen.
Er wählte das erste – und im Nu wandte sich auf seinen Befehl die Ritterschar mit der Front nach der Seite, von der sie gekommen war. Die Żmujdzini saßen ihnen sofort im Nacken; doch die Kreuzritter warfen die Schilde auf den Rücken, hieben von vorn und von der Seite, durchbrachen den sie umschließenden Ring, ließen die Pferde laufen und jagten wie ein Wirbelsturm nach Osten. Jene Abteilung, die gerade zur Schlacht herangeritten kam, stürzte ihnen entgegen, wurde aber durch die Übermacht der Rüstungen und Pferde zermalmt und fiel im Nu wie ein Kornfeld unter dem Sturmwind dahingemäht.
Der Weg zur Burg war frei, aber die Rettung war fern und unsicher; denn die Pferde der Żmujdzini waren flinker als die der Kreuzritter. Der blaue Ritter erkannte das vollkommen.
„Wehe!“ sagte er sich im Geiste. „Keiner von ihnen wird sich retten, es sei denn, ich erkaufe ihre Rettung mit meinem eigenen Blut.“
Und als er das gedacht hatte, begann er auf die Nächsten zu schreien, sie sollten die Pferde anhalten; er selbst aber schwenkte im Bogen herum, achtete nicht darauf, ob jemand seinem Ruf folgte, und wandte sich mit der Front dem Feind zu.
Zbyszko rannte als erster heran; der Deutsche schlug ihm auf den das Gesicht verdeckenden Helmrand, zerschmetterte ihn aber nicht und verletzte das Gesicht nicht. Darauf packte Zbyszko, statt den Hieb mit einem Gegenschlag zu erwidern, den Ritter um die Mitte, verklammerte sich mit ihm und versuchte, ihn lebendig zu nehmen, aus dem Sattel zu ziehen. Aber der Steigbügel barst vor allzu starkem Druck, und beide stürzten zu Boden.
Eine Zeitlang wälzten sie sich, mit Händen und Füßen kämpfend; bald aber bezwang der ungewöhnlich kräftige Jüngling seinen Gegner, drückte ihm die Knie auf den Bauch und hielt ihn unter sich, wie ein Wolf einen Hund hält, der es gewagt hat, sich ihm im Dickicht zu stellen.
Und er hielt ihn unnötigerweise fest, denn sein Gegner war ohnmächtig geworden. Inzwischen kamen Maćko und der Czech herbei; als Zbyszko sie sah, rief er:
„Herbei und bindet ihn! Es ist ein vornehmer Ritter, und er ist gegürtet.“
Der Czech sprang vom Pferd, aber als er die Reglosigkeit des Ritters sah, band er ihn nicht, sondern entwaffnete ihn, löste die Schulterstücke, nahm ihm den Gürtel mit dem daranhängenden Gnadendolch ab, durchschnitt die den Helm haltenden Riemen und machte sich schließlich an die Schrauben, die das Visier verschlossen.
Doch kaum hatte er dem Ritter ins Gesicht gesehen, fuhr er auf und rief:
„Herr, Herr! Seht nur her!“
„De Lorche!“ schrie Zbyszko.
Und de Lorche lag da, mit bleichem, schweißbedecktem Gesicht und geschlossenen Augen, regungslos, einer Leiche gleich.