„Dann will ich euch offen sagen, vor wem ich hier die größten Schäden fürchte. Das ist kein anderer als Cztan aus Rogowo. Vor euch, selbst wenn wir im Unfrieden auseinandergingen, hätte ich keine Angst. Und zwar aus diesem Grund: Ihr seid ritterliche Männer, die dem Feind ins Auge treten, aber keine unwürdige Rache hinter seinem Rücken üben. He! Mit euch ist das ganz anders… Ein Ritter ist ein Ritter. Aber Cztan ist ein Grobian, und von einem Grobian kann man alles erwarten, umso mehr, da er, wie ihr wisst, fürchterlich auf mich erbost ist, weil ich ihm bei Jagienka von Zych in die Quere komme.«
»Die ihr für den Neffen aufhebt!«, platzte der junge Wilk heraus.
Doch Maćko sah ihn an und hielt ihn einen Augenblick mit kaltem Blick fest, dann wandte er sich an den Alten und sagte gelassen:
»Wisset, mein Neffe hat eine masowische Erbin geheiratet und eine ansehnliche Mitgift erhalten.«
Es trat erneutes, noch tieferes Schweigen ein. Vater und Sohn blickten eine Weile mit offenem Mund auf Maćko. Schließlich sprach der Ältere:
»Hm! Wie ist das? Man hat geredet… Sagt schon…«
Doch Maćko, als ob er die Frage überhörte, fuhr fort:
»Eben deshalb muss ich reisen, und darum bitte ich euch: Seht ab und zu nach Bogdanietz und lasst niemandem zu, mir Unrecht zu tun, und bewahrt mich besonders vor einem Überfall durch Cztan – als würdige und ehrliche Nachbarn.«
Der junge Wilk, der einen recht scharfen Verstand hatte, begriff schnell, dass es besser sei, Maćko zum Freund zu haben, da Zbyszko nun verheiratet war. Schließlich hatte Jagienka Vertrauen zu ihm und war bereit, in allem seinem Rat zu folgen. Plötzlich eröffneten sich ganz neue Aussichten vor den Augen des jungen Hitzkopfs. »Es reicht nicht, Maćko nicht zu widersprechen, ich muss ihn für mich gewinnen!«, sagte er sich. Obwohl er etwas betrunken war, streckte er schnell die Hand unter dem Tisch aus, packte das Knie seines Vaters und drückte fest zu, damit der nichts Unnötiges sagte. Dann sprach er selbst:
»Ihr braucht Cztan nicht zu fürchten! Oho! Soll er es nur versuchen! Er hat mir eine Scharte beigebracht – das stimmt. Aber dafür habe ich ihm das zottige Maul so zerschrammt, dass ihn seine eigene Mutter nicht wiedererkannt hätte. Fürchtet euch vor nichts! Reist in Ruhe. Keine einzige Krähe wird euch aus Bogdanietz verloren gehen.«
»Dann seid ihr also wackere Leute. Versprecht ihr es?«
»Wir versprechen es!«, riefen beide.
»Auf ritterliche Ehre?«
»Auf ritterliche Ehre!«
»Und auf das Kleinod?«
»Und auf das Kleinod! Ja, und auf das Kreuz! So wahr uns Gott helfe!«
Maćko lächelte zufrieden und sprach dann:
»Nun, das habe ich von euch erwartet. Und wenn dem so ist, sage ich euch noch etwas. Zych hat mir, wie ihr wisst, die Vormundschaft über die Kinder übertragen. Deshalb habe ich Cztan und dir, junger Bursche, Hindernisse in den Weg gelegt, als ihr mit Gewalt in Zgorzelice eindringen wolltet. Aber jetzt, wenn ich in Marienburg bin oder Gott weiß wo, ist das eine schöne Vormundschaft. Wahrhaftig, über den Waisen wacht Gott. Und wer ihnen Unrecht zufügen wollte, dem würde man nicht nur den Hals mit dem Beil durchtrennen, sondern ihn auch für ehrlos erklären. Dennoch ist mir wehmütig, dass ich reise – furchtbar wehmütig. Versprecht mir also, dass ihr den Waisen Zychs nicht nur selbst kein Unrecht zufügt, sondern auch nicht zulasst, dass anderen ein Unrecht geschieht.«
»Wir schwören! Wir schwören!«
»Auf ritterliche Ehre und auf das Kleinod?«
»Auf ritterliche Ehre und auf das Kleinod!«
»Und auch auf das Kreuz?«
»Und auf das Kreuz!«
»Gott hat es gehört. Amen!«, schloss Maćko.
Er atmete tief auf, denn er wusste, dass sie einen solchen Schwur halten würden, selbst wenn jeder vor Wut und Zorn die Fäuste abbeißen müsste.
Er begann sich zu verabschieden, doch sie hielten ihn fast mit Gewalt zurück. Er musste trinken und freundete sich mit dem alten Wilk an. Der junge hingegen, der betrunken sonst Streit suchte, drohte diesmal nur fürchterlich gegen Cztan und bemühte sich um Maćko so eifrig, als bekäme er morgen schon Jagienka von ihm. Vor Mitternacht aber fiel er vor Anstrengung in Ohnmacht, und als man ihn wieder zu sich brachte, schlief er wie ein Stein. Der Ältere folgte bald dem Beispiel seines Sohnes, sodass Maćko beide wie leblos am Tisch zurückließ.
Er selbst jedoch, mit einem über die Maßen widerstandsfähigen Kopf, war nicht betrunken, nur etwas angeheitert. Auf dem Heimweg dachte er fast mit Freude über das nach, was er erreicht hatte.
»Nun!«, sprach er zu sich. »Bogdanietz ist sicher und Zgorzelice ist sicher! Sie werden vor Wut vergehen wegen Jagienkas Reise, und doch werden sie mein und ihr Gut hüten, weil sie müssen. Der Herr Jesus hat den Menschen Gewandtheit gegeben. Wo man nicht mit der Faust kann, muss man mit dem Verstand. Wenn ich zurückkehre, wird es nicht ausbleiben, dass mich der Alte vor Gericht fordert, aber das ist geringer. Gott gebe, dass ich so auch die Kreuzritter fangen könnte… Aber mit denen ist es schwieriger. Unser einer, selbst wenn er ein Hundsfott ist, hält dennoch, was er auf ritterliche Ehre und das Kleinod geschworen hat. Für sie aber ist ein Schwur so viel wie ein Spucken ins Wasser. Aber vielleicht unterstützt mich die Mutter Gottes, dass ich Zbyszko nützlich sein kann, so wie ich jetzt den Kindern Zychs und Bogdanietz nützlich war.«
Da kam ihm in den Sinn, dass das Mädchen eigentlich gar nicht reisen müsste, denn die beiden Wilkowie würden sie wie ihren Augapfel hüten. Doch nach einem Augenblick verwarf er diesen Gedanken. »Die Wilkowie werden sie hüten, aber dafür wird Cztan umso mehr nachstellen. Gott weiß, wer wen bezwingt. Sicher ist, dass es Schlägereien und Überfälle geben wird, unter denen Zgorzelice, die Waisen Zychs und sogar das Mädchen selbst leiden könnten. Den Wilkowie wird es leichter fallen, nur Bogdanietz zu bewachen. Für das Mädchen ist es jedenfalls besser, fern von diesen beiden Raufbolden zu sein und zugleich nahe dem reichen Abt.« Maćko glaubte keineswegs, dass Danusia lebend aus den Händen der Kreuzritter kommen könnte. Daher gab er die Hoffnung noch nicht auf, dass Zbyszko, wenn er mit der Zeit als Witwer zurückkehre, dann unweigerlich den Willen Gottes zu Jagienka verspüren werde.
»He, mächtiger Gott!«, sprach er zu sich. »Wenn er so, mit Spychów, dann noch Jagienka mit Moczydoły nähme und mit dem, was ihr der Abt hinterlässt – ich würde keinen Stein Wachs für Kerzen bedauern!«
Mit solchen Gedanken verging ihm schnell der Weg von Brzozowa. Dennoch kam er erst spät in der Nacht in Bogdanietz an. Er wunderte sich, als er die hell erleuchteten Fenster sah. Die Knechte schliefen auch nicht, denn kaum war er in den Hof geritten, lief ihm der Stallknecht entgegen.
»Irgendwelche Gäste, oder was?«, fragte Maćko, indem er vom Pferd stieg.
»Der junge Herr aus Zgorzelice ist da, mit dem Czech«, antwortete der Stallknecht.
Maćko wunderte sich über diesen Besuch. Jagienka hatte versprochen, am nächsten Tag im Morgengrauen zu kommen, und sie sollten gleich aufbrechen. Warum also war Jaschko gekommen, und noch dazu so spät? Der alte Ritter dachte, es könne etwas in Zgorzelice passiert sein, und mit einiger Unruhe im Herzen betrat er das Haus.
In der Stube brannten im großen Lehmkamin, der im Hof das übliche, in der Mitte des Raumes angelegte Feuer ersetzte, hell und fröhlich harzige Kienspäne. Über dem Tisch flackerten in eisernen Kaminhaken zwei Fackeln. Bei deren Schein erblickte Maćko Jaschko, den Czech Hlawa und noch einen jungen Burschen mit einem Gesicht, so rot wie ein Äpfelchen.
»Wie geht es dir, Jaschko? Und was ist mit Jagienka?«, fragte der alte Edelmann.
»Jagienka ließ euch sagen«, sprach der Junge und küsste ihm die Hand, »dass sie es sich anders überlegt hat und lieber zu Hause bleiben will.«
»Um Gottes willen! Und was soll das? Wie? Was ist ihr denn in den Kopf gefahren?«
Doch der Junge hob seine blauen Äuglein zu ihm und begann zu lachen.
»Worüber lachst du?«
In diesem Augenblick brachen auch der Czech und der andere Bursche in fröhliches Gelächter aus.
»Seht ihr!«, rief der vermeintliche Bursche. »Wer wird mich schon erkennen, wenn ihr mich nicht erkannt habt?«
Da erst betrachtete Maćko das anmutige Figürchen genauer und rief:
»Im Namen des Vaters und des Sohnes! Reine Fastnacht! Und was willst du hier, Elfe?«
»Nun, was schon… Wer reisen muss, der muss los!«
»Du solltest doch morgen im Morgengrauen kommen?«
»Freilich! Morgen im Morgengrauen, damit es alle sehen! Morgen werden sie in Zgorzelice denken, ich sei bei euch zu Gast, und sie werden es erst übermorgen merken. Sieciechowa und Jaschko wissen es, aber Jaschko hat auf ritterliche Ehre versprochen, es erst zu sagen, wenn sie anfangen, sich zu sorgen. Aber ihr habt mich nicht erkannt – nicht wahr?«
Da begann nun Maćko seinerseits zu lachen.
»Lass dich noch einmal anschauen. He! Ein verteufelt schöner Bursche bist du! … und ein besonderer, denn von so einem kann man auch Nachwuchs erwarten. Gerecht gesprochen! Wäre ich nicht alt – nun! Aber trotzdem sage ich dir: Hüte dich, Mädchen, mir unter die Augen zu kommen! Hüte dich!«
Er drohte ihr mit dem Finger, lachend, aber er betrachtete sie mit großem Wohlgefallen, denn einen so hübschen Burschen hatte er in seinem Leben noch nicht gesehen. Auf dem Kopf trug sie ein seidenes, rotes Stirnband, an sich einen grünen Wams aus Tuch, und dazu Hosen, die an den Hüften bauschig waren und weiter unten eng anlagen. Bei denen hatte ein Hosenbein die Farbe des Stirnbandes, das andere war längs gestreift. Mit einem reichen Dolch an der Seite, mit einem lächelnden, hellen wie die Morgenröte Gesicht sah sie so hübsch aus, dass man die Augen nicht von ihr lassen konnte.
»Bei Gott!«, sagte der erheiterte Maćko. »Entweder ein wundersames Herrchen oder ein Blümchen, oder was!«
Dann wandte er sich an den anderen Burschen und fragte:
»Und dieser hier? … wohl auch ein verkleidetes Mädchen?«
»Nun, das ist Sieciechówna«, antwortete Jagienka. »Es wäre mir unpassend gewesen, allein unter euch zu sein, nicht wahr? Darum habe ich Anula mitgenommen, zu zweit ist es besser, und sie ist mir eine Hilfe und Bedienung. Auch sie wird niemand erkennen.«
»Da hast du, Weib, die Hochzeit! Eine war nicht genug, nun werden es zwei sein.«
»Neckt mich nicht.«
»Ich necke nicht, aber bei Tag wird jeder sie und dich erkennen.«
»Nun! Woran?«
»Weil dir die Knie zusammengehen – und ihr auch.«
»Lasst das!«
»Freilich lasse ich, weil es nicht an der Zeit ist. Aber ob Cztan und der Wilk es lassen, weiß Gott. Weißt du, Schlingel, woher ich komme? Aus Brzozowa.«
»Um Himmels willen! Was sagt ihr da?«
»Die Wahrheit, so wie es auch wahr ist, dass die Wilkowie Bogdanietz und Zgorzelice vor Cztan schützen werden. Nun! Feinde herauszufordern und sich mit ihnen zu schlagen ist leicht. Aber aus Feinden Wächter des eigenen Guts zu machen, das bringt nicht jeder Bock fertig!«
Nun begann Maćko von seinem Besuch bei den Wilkowie zu erzählen, wie er sie für sich gewonnen und auf den Haken geführt hatte. Sie hörte mit großem Staunen zu. Als er endlich geendet hatte, sprach sie:
»An List hat euch der Herr Jesus nicht karg gemacht, und ich merke, dass alles immer so sein wird, wie ihr wollt.«
Doch Maćko begann dazu den Kopf zu schütteln, wie mit Trauer.
»Ei, Mädchen! Wenn alles so wäre, wie ich will, dann wärst du längst die Herrin in Bogdanietz!«
Darauf sah Jagienka ihn eine Weile mit ihren blauen Augen an, dann trat sie näher und küsste ihm die Hand.
»Weshalb küsst du mir die Hand?«, fragte der Alte.
»Nichts! … Ich sage nur gute Nacht, denn es ist spät, und morgen müssen wir im Morgengrauen aufbrechen.«
Nachdem sie Sieciechówna mitgenommen hatte, ging sie. Maćko führte den Czech ins Nebengemach, wo sie, auf Wisentfälle gebettet, beide in tiefen, stärkenden Schlaf fielen.