Maćko wurde nachdenklich und sagte erst nach langem Schweigen:
„Ha! Da gibt es keinen Rat. Gegen den Tod hilft keine List. Aber wenn ich dorthin reiste und wenigstens erführe, dass man jene beseitigt hat, dann bliebe Spychów so oder so Zbyszko, und ich selbst könnte zurückkehren und ein anderes Mädchen nehmen …“
Hier atmete Maćko auf, als habe er eine Last von der Seele geworfen, und Głowacz fragte mit schüchterner, leiser Stimme:
„Das Fräulein aus Zgorzelice?“
„Nun ja!“, antwortete Maćko. „Umso mehr, da sie eine Waise ist und Cztan von Rogow und Wilk z Brzozowej immer schlimmer auf sie eindringen.“
Doch der Czech sprang auf die Beine:
„Das Fräulein ist eine Waise? Ritter Zych …?“
„Weißt du von nichts?“
„Um Gottes willen! Was ist geschehen?“
„Nun, wahrhaftig, wie solltest du es wissen, da du geradewegs hierhergekommen bist und wir nur von Zbyszko geredet haben! Sie ist eine Waise! Zych ze Zgorzelic hat wahrhaftig nie dauerhaft daheim verweilt, er hätte denn Gäste gehabt. Sonst wurde ihm in Zgorzelice alsbald öde. Also schrieb er an den Abt, dass er zu Herzog Przemko von Auschwitz reise und ihn mitnehmen möge. Und Zych war das gerade recht, zumal er den Herzog kannte und oft mit ihm fröhlich gewesen war. Da kommt Zych zu mir und sagt: ‚Ich reite nach Auschwitz und dann nach Gleiwitz; behaltet mir derweil Zgorzelice im Auge.‘ Mir aber kam sofort ein Bedenken, und ich sagte: ‚Reitet nicht! Hütet das Erbe und Jagienka, denn ich weiß, dass Cztan und Wilk etwas Böses im Schilde führen.‘ Du musst wissen, dass der Abt aus Zorn auf Zbyszko das Mädchen dem Wilk oder Cztan zugedacht hatte, doch später, als er sie besser kennenlernte, schlug er beide eines Tags mit dem Knüppel und warf sie aus Zgorzelice hinaus. Das war gut, aber nicht hinreichend, denn sie wurden furchtbar erbittert.
Jetzt herrscht ein wenig Ruhe, da sie einander verletzt haben und darniederliegen, aber zuvor gab es keine sichere Stunde. Alles liegt auf meinen Schultern, Verteidigung und Obhut. Nun will Zbyszko wieder, dass ich reise … Wie es mit Jagienka sein wird, weiß ich nicht, aber inzwischen will ich dir von Zych zu Ende erzählen. Er kümmerte sich nicht um mein Gerede – er ritt davon. Nun, sie hielten Gelage, waren fröhlich! Von Gleiwitz fuhren sie zum Vater von Herzog Przemko, zum alten Nosak, der in Teschen herrschte. Da ließ Jaśko, der Herzog von Ratibor, aus Hass gegen Herzog Przemko Räuber unter der Führung des Czech Chrzan auf sie los. Und Herzog Przemko fiel, und mit ihm Zych ze Zgorzelic, von einem Pfeil in die Luftröhre getroffen. Den Abt betäubten sie mit einem eisernen Dreschflegel, sodass er noch immer den Kopf schüttelt, nichts von der Welt weiß und die Sprache wohl für immer verloren hat. Nun, den Chrzan kaufte der alte Nosak vom Herrn auf Zampach und folterte ihn derart, dass die ältesten Leute nie von einer solchen Marter gehört haben – aber weder minderte die Folter seinen Schmerz um den Sohn, noch erweckte sie Zych wieder, noch trocknete sie Jagienkas Tränen. So ist das Vergnügen … Vor sechs Wochen brachten sie Zych hierher und begruben ihn.
„Ein so tüchtiger Herr!“, sprach der Czech mit Bedauern. „Ich war zwar schon unter Bunzlau kein schwacher Bursche, und er spielte nicht einmal ein Vaterunser mit mir und nahm mich gefangen. Aber das war eine solche Gefangenschaft, dass ich sie nicht gegen Freiheit eingetauscht hätte … Ein guter, edler Herr! Gebe ihm Gott das ewige Licht. Hei, schade, schade! Doch am meisten das arme Fräulein.“
„Denn sie ist eine aufrichtig Arme. Manche liebt die Mutter nicht so, wie sie den Vater liebte. Und dazu ist es gefährlich für sie, in Zgorzelice zu bleiben. Nach der Beerdigung – noch hatte der Schnee Zychs Grabhügel nicht bedeckt – da drangen Cztan und Wilk schon auf den Hof von Zgorzelice ein. Glücklicherweise erfuhren meine Leute vorher davon, also lief ich mit den Knechten zu Hilfe, und Gott gab, dass wir sie tüchtig schlugen. Darauf, nach dem Scharmützel, das Mädchen: als sie mich nicht an den Knien packte: ‚Ich kann nicht Zbyszkos werden‘, sagt sie, ‚ich werde niemandes sein, nur rettet mich vor diesen Unholden, denn‘, sagt sie, ‚lieber wollte ich sterben als sie …‘ Das sage ich dir, du würdest Zgorzelice jetzt nicht wiedererkennen, denn ich habe eine richtige Burg daraus gemacht. Sie griffen noch zweimal an, aber wahrhaftig, sie konnten nichts ausrichten. Jetzt ist für eine Weile Ruhe, denn wie ich dir sagte, haben sie einander verletzt, sodass keiner Hand noch Fuß rühren kann.“
Głowacz antwortete nichts darauf, sondern begann, während er von Cztan und Wilk hörte, mit den Zähnen zu knirschen, als ob jemand eine quietschende Tür öffnete und schlösse, und dann rieb er seine mächtigen Hände an den Schenkeln, in denen er offenbar ein Jucken spürte. Schließlich brachte er mühsam nur ein Wort hervor:
„Verflucht …“
Doch in diesem Augenblick erklangen Stimmen im Flur, die Tür öffnete sich plötzlich, und in die Stube rannte Jagienka herein, und mit ihr der älteste ihrer Brüder, der vierzehnjährige Jaśko, der ihr wie ein Zwilling glich.
Sie war, als sie von den Bauern aus Zgorzelice, die auf dem Weg den Trupp gesehen hatten, erfahren hatte, dass irgendwelche Leute unter der Führung des Czech Hlawa nach Bogdanietz ritten, ebenso erschrocken wie Maćko, und als sie ihr noch sagten, dass sie Zbyszko nicht unter ihnen gesehen hätten, war sie fast sicher, dass ein Unglück geschehen sei; also flog sie in einem Zuge nach Bogdanietz, um die Wahrheit zu erfahren.
„Was ist geschehen? … Um Gottes willen!“, rief sie von der Schwelle.
„Was hätte geschehen sollen?“, antwortete Maćko. „Zbyszko lebt und ist gesund.“
Der Czech sprang zur Herrin und begann, auf ein Knie fallend, den Saum ihres Kleides zu küssen, doch sie bemerkte es gar nicht, denn als sie die Antwort des alten Ritters hörte, wandte sie den Kopf vom Feuer in den Schatten, und erst nach einem Augenblick, als hätte sie sich daran erinnert, dass man sich begrüßen müsse, sprach sie:
„Gelobt sei Jesus Christus.“
„In Ewigkeit“, antwortete Maćko.
Und da sie nun den Czech an ihren Knien sah, beugte sie sich zu ihm:
„Ich bin dir von Herzen froh, Hlawa, aber warum hast du den Herrn verlassen?“
„Er hat mich gesandt, gnädiges Fräulein.“
„Was hat er befohlen?“
„Er befahl, nach Bogdanietz zu reiten.“
„Nach Bogdanietz? … Und was noch?“
„Er sandte mich um Rat und mit einer Verbeugung, mit einem Gruß …“
„Nach Bogdanietz und weiter nichts? Nun gut! Und wo ist er selbst?“
„Er ritt zu den Kreuzrittern nach Marienburg.“
Auf Jagienkas Gesicht zeigte sich wieder Unruhe.
„Ist ihm das Leben nicht lieb? Was will er?“
„Suchen, gnädiges Fräulein, was er nicht finden wird.“
„Wahrhaftig, er wird es nicht finden!“, warf Maćko ein. „Wie man einen Nagel nicht ohne Hammer befestigen kann, so auch den menschlichen Willen nicht ohne Gottes Willen.“
„Was sagt ihr da?“, fragte Jagienka.
Doch Maćko antwortete auf die Frage mit einer Gegenfrage:
„Hat Zbyszko dir von der Jurandówna erzählt? Denn wie ich hörte, tat er das?“
Jagienka antwortete zunächst nichts, und erst nach einem Augenblick, nachdem sie einen Seufzer unterdrückt hatte, fragte sie:
„Ei! Er tat es. Und was störte ihn daran zu reden!“
„Nun, das ist gut, denn desto leichter fällt mir das Reden“, erwiderte der Alte.
Und er begann ihr zu erzählen, was er von dem Czech gehört hatte, wobei er sich selbst wunderte, dass ihm die Erzählung manchmal etwas wirr und schwer von der Hand ging. Da er aber in der Tat ein listiger Mann war und ihm daran lag, Jagienka auf keinen Fall zu „behexen“, bestand er stark auf dem, was er im Übrigen selbst glaubte: dass Zbyszko in Wirklichkeit nie der Ehemann der Danusia gewesen sei und dass sie für immer verloren sei.
Der Czech bestätigte ihm dann und wann, indem er mit dem Kopf nickte oder wiederholte: „Bei Gott, so wahr ich lebe!“ oder: „So ist es, nicht anders!“ – das Mädchen aber hörte mit gesenkten Wimpern auf den Wangen zu, fragte nichts mehr und war so still, dass ihr Schweigen Maćko beunruhigte.
„Nun, und was sagst du?“, fragte er, nachdem er die Erzählung beendet hatte.
Doch sie antwortete nichts, nur zwei Tränen glänzten unter den gesenkten Wimpern und rollten über die Wangen.
Nach einem Augenblick trat sie zu Maćko, küsste seine Hand und sprach:
„Gelobt sei er.“
„In Ewigkeit“, erwiderte der Alte. „Ist es dir so eilig nach Hause? Bleib doch bei uns.“
Doch sie wollte nicht bleiben, indem sie sich entschuldigte, sie habe zu Hause das Abendessen noch nicht ausgegeben; Maćko aber, obwohl er wusste, dass in Zgorzelice die alte Edelfrau Sieciechowa weilte, die sie hätte vertreten können, hielt sie nicht zu dringend zurück, denn er verstand, dass Kummer nicht gern den Leuten mit Tränen leuchtet und dass der Mensch wie ein Fisch ist, der, wenn er den Widerhaken der Gräte in sich spürt, sich so tief wie möglich auf den Grund verkriecht.
Also streichelte er nur den Kopf des Mädchens und begleitete sie dann zusammen mit dem Czech auf den Hof. Der Czech aber holte sein Pferd aus dem Stall, bestieg es und ritt dem Fräulein nach.
Maćko jedoch kehrte zurück, seufzte und begann, den Kopf schüttelnd, zu murmeln:
„Dumm ist auch Zbyszko, das steht fest! … Es riecht noch nach dem Mädchen in der Stube!“
Und der Alte wurde in sich traurig. Er dachte, wenn Zbyszko sie gleich nach seiner Rückkehr genommen hätte, dann wäre vielleicht bis jetzt schon Freude und Vergnügen gewesen! Und nun? „Wenn man ihn nur erwähnt, sofort tropft ihr eine Träne aus dem Auge, und der Kerl wandert in der Welt umher und wird dort irgendwo gegen die Mauern von Marienburg mit dem Kopf rennen, bis er ihn zertrümmert, und im Haus ist es leer, nur die Waffen von den Wänden grinsen. Kein Segen von der Wirtschaft, nichts nützt der Fleiß, nichts Spychów und Bogdanietz, wenn es niemanden gibt, dem man sie hinterlassen kann.“
Hier begann ein gewaltiger Zorn in Maćkos Seele zu gären.
„Warte, du Landstreicher“, sprach er laut, „ich werde nicht hinter dir herreisen, und du mach, was du willst!“
Doch im selben Augenblick packte ihn, wie zum Hohn, eine ungeheure Sehnsucht nach Zbyszko: „Nun, ich reise nicht“, dachte er, „und zu Hause werde ich dann sitzen können? Gottes Strafe! … Denn diesen Schlingel nicht einmal im Leben zu sehen – das geht durchaus nicht! Wieder hat er dort einem Hundsfott den Schädel gespalten – und Beute genommen … Ein anderer wird grau, bevor er den Gürtel erwirbt, und ihn hat der Fürst schon gegürtet … Und zu Recht, denn es gibt zwar viele tüchtige Burschen unter dem Adel, aber einen zweiten wie ihn gibt es wohl nicht.“
Und ganz gerührt, begann er zuerst die Waffen, Schwerter und Äxte zu betrachten, die im Rauch schwärzten, als überlege er, was er mitnehmen und was zurücklassen solle; dann verließ er die Stube, einmal weil er es darin nicht aushielt, und zum anderen, um die Wagen einsalben und den Pferden die doppelte Ration geben zu lassen.
Auf dem Hof, auf dem es bereits dämmerte, erinnerte er sich an Jagienka, die hier vor einem Augenblick aufs Pferd gestiegen war, und plötzlich sorgte er sich wieder.
„Reisen, nun gut“, sprach er zu sich selbst, „aber wer wird hier das Mädchen vor Cztan und Wilk beschützen? Möge der Blitz in sie einschlagen! …“
Jagienka aber ritt indessen mit dem kleinen Jaśko auf dem Waldweg nach Zgorzelice, und der Czech folgte ihnen schweigend, das Herz voller Liebe und Schmerz. Er hatte zuvor die Tränen des Mädchens gesehen, blickte jetzt auf ihre dunkle Gestalt, die im Walddunkel kaum zu erkennen war, und erriet ihre Trauer und ihren Schmerz.
Es schien ihm auch, dass jeden Augenblick aus dem Dunkel und Dickicht die räuberischen Hände von Wilk oder Cztan nach ihr greifen würden – und bei diesem Gedanken packte ihn eine wilde Kampfbegier. Diese Begierde wurde bisweilen so unwiderstehlich, dass ihn die Lust überkam, nach der Axt oder dem Schwert zu greifen und selbst auf die Kiefern am Wege einzuschlagen. Er fühlte, wenn er sich ordentlich ausschwingen könnte, würde ihm das Erleichterung bringen. Er wäre schließlich froh gewesen, wenigstens das Pferd im Galopp laufen zu lassen, aber die beiden vorne ritten gerade langsam, Schritt für Schritt, fast ohne ein Wort zu wechseln, denn auch der kleine Jaśko, obwohl sonst redselig, versank nach mehreren Versuchen, dass die Schwester nicht reden wollte, ebenfalls in Schweigen.
Doch als sie schon nahe an Zgorzelice waren, überwog im Herzen des Czech der Schmerz über den Zorn auf Cztan und Wilk: „Ich würde wahrhaftig mein Blut nicht schonen“, sprach er zu sich selbst, „um dich zu trösten, aber was, Unglücklicher, kann ich tun? Was soll ich dir sagen? Ich sage dir wohl, dass er sich dir hat empfehlen lassen, und gebe Gott, dass dir das zum Trost gereicht.“
Als er das gedacht hatte, rückte er sein Pferd neben das Pferd Jagienkas.
„Gnädiges Fräulein …“
„Du reitest mit uns?“, fragte das Mädchen, wie aus einem Traum erwachend. „Was hast du zu sagen?“
„Weil ich vergessen habe, was mir der Herr für Euch auszurichten befahl. Bei der Abreise in Spychów rief er mich und sprach: ‚Falle dem Fräulein aus Zgorzelice zu Füßen, denn ob in guter oder in böser Lage, ich werde sie nie vergessen, und dafür‘, sagte er, ‚dass sie für den Oheim und für mich getan hat, möge ihr Gott lohnen und sie bei Gesundheit erhalten.‘“
„Gott vergelt‘ es ihm für das gute Wort“, antwortete Jagienka.
Darauf fügte sie mit einer so seltsamen Stimme hinzu, dass dem Czech das Herz vollends schmolz:
„Und dir, Hlawa.“
Die Zwiesprache riss für eine Weile ab, doch der Knappe war froh, sowohl über sich als auch darüber, was er dem Fräulein gesagt hatte, denn im Geiste sprach er sich: „Wenigstens wird sie nicht denken, dass man sie mit Undank abgespeist hat.“ Sogleich begann er in seinem ehrlichen Kopf zu suchen, was er ihr noch so sagen könnte, und nach einem Augenblick hub er wieder an:
„Fräulein …“
„Was?“
„Das … nur … ich wollte sagen, wie ich auch dem alten Herrn von Bogdanietz gesagt habe: dass jene schon für immer verschollen ist und dass er sie nie finden wird, selbst wenn der Meister selbst ihm helfen würde.“
„Sie ist seine Frau“, antwortete Jagienka.
Und der Czech schüttelte den Kopf:
„Eine solche Frau …“
Jagienka antwortete darauf nichts, doch zu Hause, nach dem Abendessen, als Jaśko und die jüngeren Brüder schlafen gegangen waren, ließ sie einen Krug Met bringen und wandte sich an den Czech:
„Oder willst du lieber schlafen? Ich wollte ein wenig plaudern.“
Der Czech, obwohl ermüdet, war bereit, bis zum Morgen zu plaudern, also begannen sie zu reden, oder vielmehr, er erzählte wieder ausführlich alle Abenteuer von Zbyszko, Jurand und Danusia und seine eigenen.