Tellura
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I

Kapitel 1 · 3413 Wörter · ~18 Min. Lesezeit

I.

In Tyniec, im Wirtshaus „Zum Luty Tur“, das dem Kloster gehörte, saßen einige Leute und lauschten der Erzählung eines kampferprobten Kriegsmannes. Er war aus fernen Landen gekommen und berichtete von Abenteuern, die er im Krieg und auf Reisen erlebt hatte.

Der Mann war bärtig, im kräftigsten Alter, breitschultrig, fast riesig, aber abgemagert. Das Haar trug er in einem Netz, das mit Perlen bestickt war. Er trug einen ledernen Wams, auf dem sich die Abdrücke des Panzers abzeichneten, darüber einen Gürtel, ganz aus messingenen Schnallen; im Gürtel steckte ein Messer in einer Hornscheide, an der Seite ein kurzes Reiseschwert.

Dicht neben ihm, am Tisch, saß ein Jüngling mit langen Haaren und fröhlichem Blick. Offenbar war er sein Gefährte oder vielleicht sein Knappe, denn auch er war auf Reiseart gekleidet, in einem gleichen ledernen Wams, auf dem sich die Abdrücke der Rüstung abzeichneten.

Die übrige Gesellschaft bestand aus zwei Landadligen aus der Gegend von Krakau und drei Bürgern in roten, zusammenlegbaren Mützen, deren dünne Enden ihnen seitlich bis auf die Ellenbogen herabhingen.

Der Wirt, ein Deutscher, in einer fahlen Kapuze mit gezacktem Kragen, goss ihnen aus einem Krug süffiges Bier in irdene Krüge und lauschte neugierig den Kriegsabenteuern.

Noch neugieriger jedoch lauschten die Bürger. In jenen Zeiten war der Hass, der zur Zeit König Władysław Lokieteks die Stadt vom ritterlichen Landadel, also dem Adel, getrennt hatte, bereits deutlich abgeflaut, und die Bürger trugen den Kopf höher als in späteren Jahrhunderten. Deshalb geschah es oft, dass man in den Wirtshäusern Kaufleute sah, die auf gut Freund mit dem Adel tranken. Man sah sie sogar gern, denn bei ihnen war leichter an bares Geld zu kommen, und sie bezahlten gewöhnlich für die Wappenadligen.

So saßen die Bürger also und unterhielten sich, zwinkerten von Zeit zu Zeit dem Wirt zu, er solle die Krüge füllen.

„Ihr habt, edler Ritter, ein ganzes Stück Welt gesehen“, sagte einer der Kaufleute.

„Nicht viele von denen, die jetzt von allen Seiten nach Krakau strömen, haben so viel gesehen“, erwiderte der angekommene Ritter.

„Und es werden sich nicht wenige einfinden“, sprach der Bürger, „denn es ist ein großes Fest und ein großes Glück für das Königreich! Man sagt auch, der König habe das ganze Brautgemach der Königin mit Goldstoff auslegen lassen, der mit Perlen bestickt ist, und einen ebensolchen Baldachin darüber errichten lassen. Es wird Spiele und Turniere geben, wie sie die Welt bisher noch nicht gesehen hat.“

„Gevatter Gamroth, unterbrecht den Ritter nicht“, erwiderte der zweite Kaufmann.

„Ich unterbreche ihn nicht, Gevatter Eyertreter, ich denke nur, dass auch er gerne wissen wird, was man so redet, denn sicher reist er selbst nach Krakau. In die Stadt kehren wir heute ohnehin nicht zurück, und in der Nacht lässt das Ungeziefer, das in den Spänen brütet, einen nicht schlafen, also haben wir Zeit für alles.“

„Und auf ein Wort antwortet Ihr zwanzig. Ihr werdet alt, Gevatter Gamroth?“

„Aber ein Stück feuchtes Tuch unter einem Arm hebe ich noch hoch.“

„O je! Ein solches, durch das man scheint wie durch ein Sieb.“

Doch der weitere Streit wurde unterbrochen von dem reisenden Krieger, der sprach:

„Gewiss werde ich in Krakau bleiben, denn ich habe von den Turnieren gehört und möchte gern in der Schranke meine Kräfte messen. Und auch dieser Neffe hier, der, obwohl jung und bartlos, schon so manchen Panzer auf der Erde liegen sah.“

Die Gäste blickten auf den Jüngling, der fröhlich lächelte, sich mit den Händen die langen Haare hinter die Ohren strich und den Krug mit Bier zum Munde führte.

Der alte Ritter aber sprach:

„Und schließlich, selbst wenn wir zurückkehren wollten, wir hätten kein Ziel mehr.“

„Wie das?“, fragte einer der Adligen. „Woher seid Ihr und wie heißt Ihr?“

„Ich heiße Maćko von Bogdanietz, und dieser Halbwüchsige hier, der Sohn meines leiblichen Bruders, heißt Zbyszko. Wir sind vom Geschlecht der Tępa Podkowa, und unser Feldgeschrei ist Grady.“

„Wo liegt denn Euer Bogdanietz?“

„Ach, fragt lieber, Herr Bruder, wo es lag, denn es gibt es nicht mehr. He! Noch zur Zeit des Krieges der Grzymalici mit den Nałęcz haben sie unser Bogdanietz bis auf den Grund niedergebrannt, und was da war, haben sie geraubt, die Dienstleute aber sind geflohen. Übrig blieb das nackte Land, denn auch die Bauern, die in der Nachbarschaft waren, sind weiter in die Wildnis gezogen. Wir haben mit meinem Bruder, dem Vater dieses Halbwüchsigen hier, wieder aufgebaut, aber im folgenden Jahr hat uns das Wasser alles weggenommen. Dann starb der Bruder, und als er gestorben war, blieb ich allein mit der Waise zurück. Da dachte ich: Ich halte es nicht aus! Und man erzählte damals gerade vom Krieg, davon, dass Jaschko von Oleśnica, den König Władysław nach Nikolaus von Moskorzau nach Wilna geschickt hatte, eifrig nach Rittern in Polen suchte.

„Da ich also den würdigen Abt Janko von Tulcza kannte, überließ ich ihm das Land, kaufte mir für das Geld eine kleine Rüstung, Pferde, rüstete mich, wie man es für einen Kriegszug gewöhnlich tut, setzte den Jungen, der zwölf Jahre alt war, auf einen kleinen Gaul und hopp! zu Jaschko von Oleśnica.“

„Mit dem Halbwüchsigen?“

„Er war damals noch nicht einmal ein Halbwüchsiger, aber er war kräftig von klein auf. So geschah es, dass er mit zwölf Jahren eine Armbrust (das ist ein altes Gerät zum Steinewerfen) auf die Erde stemmte, mit dem Bauch darauf drückte und die Kurbel so drehte, dass selbst keiner von den Engländern, die wir vor Wilna sahen, sie besser spannen konnte.“

„So stark war er?“

„Den Helm trug er mir nach, und als er dreizehn Winter zählte, auch den Pavese.“

„Nun, an Kriegen hat es Euch nicht gefehlt.“

„Fürst Witold saß bei den Kreuzrittern, und jedes Jahr unternahmen sie Feldzüge nach Litauen, gegen Wilna. Mit ihnen zog mancherlei Volk: Deutsche, Franzosen, Engländer, die besten Bogenschützen, Tschechen, Schweizer und Burgunder. Sie hieben die Wälder nieder, bauten auf dem Weg Burgen, und schließlich bedrängten sie Litauen aufs Grausamste mit Feuer und Schwert, so dass das ganze Volk, das dieses Land bewohnt, es bereits verlassen und eine andere Heimat suchen wollte, und sei es am Ende der Welt, und sei es zwischen den Kindern Belials, nur weit weg von den Deutschen.“

„Man hat auch hier gehört, dass alle Litauer mit Kindern und Frauen fortziehen wollten, aber wir haben es nicht geglaubt.“

„Und ich habe es mit angesehen. He! Wenn nicht Mikołaj von Moskorzau gewesen wäre, wenn nicht Jaschko von Oleśnica, und, ohne zu prahlen, wenn nicht auch wir, dann gäbe es kein Wilna mehr.“

„Wir wissen es. Die Burg habt ihr nicht preisgegeben.“

„Und wir haben sie nicht preisgegeben. Merkt also wohl auf, was ich euch sage, denn ich bin ein dienender Mann und des Krieges kundig. Die Alten pflegten zu sagen: ‚Das verbissene Litauen‘ – und das ist wahr! Gut schlagen sie sich, aber mit dem Rittertum können sie sich auf freiem Feld nicht messen. Wenn die Pferde der Deutschen in den Sümpfen stecken bleiben oder wenn der Wald dicht ist, dann ist es etwas anderes.“

„Die Deutschen sind gute Ritter!“, riefen die Bürger.

„Wie eine Mauer stehen sie, Mann an Mann, in eisernen Rüstungen, so bedeckt, dass man dem Hundsfott kaum die Augen durch das Gitter sieht. Und sie ziehen in einer Reihe. Es geschah, dass die Litauer anstürmten und sich wie Sand zerstreuten, und wenn sie sich nicht zerstreuten, dann legte man sie wie eine Brücke und zertrat sie. Und es sind nicht nur Deutsche unter ihnen, denn was es an Völkern auf der Welt gibt, die dienen bei den Kreuzrittern. Und tapfer sind sie! Manchmal neigt sich ein Ritter, streckt den Speer vor sich aus und schlägt ganz allein, noch vor der Schlacht, auf das ganze Heer ein, wie ein Habicht auf einen Schwarm.“

„Christ!“, rief Gamroth. „Welche von ihnen sind die besten?“

„Das kommt darauf an. Die Armbrust handhabt am besten der Engländer, der einen Panzer mit dem Pfeil durchbohrt und eine Taube auf hundert Schritte trifft. Die Tschechen hauen furchtbar mit den Äxten. Für das zweihändige Schwert gibt es keinen Besseren als den Deutschen. Der Schweizer zerschmettert gern mit dem eisernen Flegel die Helme, aber die größten Ritter sind die, die aus Frankreich stammen. Ein solcher wird sich zu Pferd und zu Fuß schlagen, und dabei wird er furchtbar tapfere Worte reden, die man jedoch nicht versteht, denn das ist eine Sprache, als ob man zinnerne Schüsseln schüttelte, obwohl es ein frommes Volk ist. Sie haben uns durch die Deutschen vorgeworfen, dass wir die Heiden und Sarazenen gegen das Kreuz verteidigen, und haben sich verpflichtet, dies im ritterlichen Zweikampf zu beweisen. Ein solcher Gerichtskampf soll zwischen vier und vier unserer Ritter stattfinden, und der Termin ist auf dem Hofe von Wenzel, dem römischen und böhmischen König, angesetzt worden.“

Nun erfasste die Adligen und Kaufleute noch größere Neugier, so dass sie die Hälse über den Krügen in Richtung Maćko von Bogdanietz reckten und zu fragen begannen:

„Und welche von den Unseren sind dabei? Sprecht schnell!“

Maćko aber hob den Krug zum Munde, trank und erwiderte:

„Ei, sorgt euch nicht um sie. Es sind Jan von Włoszczowa, der Kastellan von Dobrin, Mikołaj von Waszmuntów, Jaschko von Zdaków und Jarosz von Czechów – alles auserlesene Ritter und prächtige Kerle. Geht es auf Speere, auf Schwerter oder auf Äxte – es ist ihnen nichts Neues! Die Augen der Menschen werden etwas zu sehen und die Ohren etwas zu hören bekommen – denn, wie ich sagte, du drückst dem Franzosen den Fuß auf die Kehle, und er redet dir noch ritterliche Worte vor. So wahr mir Gott und das heilige Kreuz helfen mögen, jene werden sich verplaudern, und unsere werden sie schlagen.“

„Es wird Ruhm geben, wenn Gott seinen Segen gibt“, sagte einer der Adligen.

„Und der heilige Stanislaus“, fügte ein zweiter hinzu.

Darauf wandte er sich wieder an Maćko und begann weiter zu fragen.

„Nun! Erzählt! Ihr habt die Deutschen und andere Ritter gepriesen, sie seien tapfer und hätten die Litauer leicht bezwungen. Und mit euch, war es ihnen nicht schwerer? Sind sie ebenso bereitwillig auf euch losgegangen? Wie hat Gott es gefügt? Preist unsere Leute!“

Doch Maćko von Bogdanietz war offenbar kein Prahlhans, denn er antwortete bescheiden:

„Die, die frisch aus fernen Ländern kamen, griffen uns bereitwillig an, aber nachdem sie es ein- oder zweimal versucht hatten, taten sie es nicht mehr mit solchem Herzen. Denn unser Volk ist zäh, und diese Zähigkeit haben sie uns oft vorgeworfen: ‚Ihr verachtet den Tod, aber ihr unterstützt die Sarazenen, weshalb ihr verdammt sein werdet.‘ Und in uns wuchs noch der Trotz, denn es ist nicht wahr! Beide Königreiche haben Litauen getauft, und dort bekennt sich jeder zu Christus dem Herrn, wenn auch nicht jeder es richtig kann, denn das Volk ist noch unwissend und verbeugt sich deshalb vor Götzen. Mancher sagt sich auch: ‚Der Fürst hat mich taufen lassen, also ließ ich mich taufen, er hat befohlen, Christus zu huldigen, also huldige ich ihm, aber warum soll ich den alten heidnischen Teufeln die Krümel Quark vorenthalten oder ihnen keine gebackene Rübe hinwerfen oder ihnen keinen Bierschaum abgeben? Tue ich das nicht, dann fallen mir die Pferde, oder die Kühe verfetten mir, oder die Milch wird blutig, oder es gibt ein Hindernis bei der Ernte.‘ Und viele tun auch so, wodurch sie sich in Verdacht bringen. Aber sie tun es aus Unwissenheit. Es bedarf dort der Lehre des heiligen Glaubens, nicht der Vernichtung mit Feuer und Schwert.“

„Wunder über Wunder!“, rief einer der Adligen.

„Ich habe nicht wenige große Wunder gesehen, und man kann sagen: Es ist ein gutes Volk, aber alles ist bei ihnen sonderbar. Sie sind zottelig, und kaum ein Fürst trägt das Haar gelockt; sie leben von gebackenen Rüben, die sie jeder Speise vorziehen, denn sie sagen, der Mut wachse davon. In ihren Numas, also Hütten, leben sie zusammen mit dem Vieh und den Schlangen. Verheiratete Frauen achten sie gering, aber die Mädchen ehren sie sehr und sprechen ihnen große Macht zu.“

„Und sind die Frauen dort hübsch?“, fragte Gevatter Eyertreter.

„Danach fragt Zbyszko“, erwiderte Maćko von Bogdanietz.

Zbyszko lachte, dass die Bank unter ihm zu zittern begann.

„Es gibt wunderschöne!“, sagte er. „Oder war Rynga nicht wunderschön?“

„Was ist das für eine Rynga?“

„Wie? Ihr habt nichts von Rynga gehört?“, fragte Maćko.

„Wir haben kein Wort gehört.“

„Das ist doch die Schwester von Fürst Witold und die Frau von Heinrich, dem Herzog von Masowien.“

„Welcher Herzog Heinrich? Es gab einen masowischen Herzog, der war erwählter Bischof von Plock, aber er ist gestorben.“

„Der war es. Ihm hätten die Dispense aus Rom kommen sollen, aber der Tod gab ihm zuvor den Dispens, denn nachdem er die Gelübde gebrochen hatte, erfreute er Gott offenbar nicht allzu sehr mit seiner Tat. Ich war mit einem Schreiben von Jaschko von Oleśnica zu Fürst Witold geschickt worden, als von König Herzog Heinrich, der erwählte Bischof von Plock, nach Ritterswerder kam. Da war Witold der Krieg bereits überdrüssig, eben weil er Wilna nicht erobern konnte, und unserem König waren die leiblichen Brüder und ihre Zügellosigkeit überdrüssig. Da der König nun bei Witold mehr Wendigkeit und mehr Verstand sah als bei seinen eigenen Brüdern, sandte er zu ihm, er solle die Kreuzritter verlassen und sich zum Gehorsam bequemen, wofür ihm die Regierung über Litauen übergeben werden sollte. Und Witold, stets nach Veränderung gierig, vernahm die Botschaft gnädig. Es gab auch Gelage und Turniere. Herzog Heinrich, der erwählte Bischof von Plock, obwohl andere Bischöfe das nicht billigen, zeigte in der Schranke seine Stärke. Und stark sind von Geschlecht alle masowischen Herzöge – wie bekannt ist, dass selbst Frauen und Mädchen dieses Geschlechts leicht Hufeisen brechen. Einmal warf der Herzog drei Ritter aus den Sätteln, ein andermal fünf – und von den Unseren warf er mich, und unter Zbyszko setzte sich das Pferd beim Angriff auf die Hinterhand. Die Preise aber empfing er alle aus den Händen der schönen Rynga, vor der er in voller Rüstung kniete. Und sie verliebten sich ineinander, obwohl ihr Bruder Witold sie zurückhielt. Es war eine große Gotteslästerung, denn Herzog Heinrich hatte die Ehe geschlossen und die ursprünglichen Gelübde gebrochen. Witold wollte sich nicht widersetzen, um den königlichen Boten nicht zu verstimmen.“

„Ach!“, unterbrach plötzlich Zbyszko. „Das ist wahr! Aber später sagten die Leute, Herzogin Rynga, als sie gemerkt habe, dass es sich nicht gezieme, mit dem Erwählten verheiratet zu sein, habe ihren Mann vergiftet.“

„Nun, nun!“, erwiderte Maćko. „Und die schöne Rynga ist Witwe und kann dich vielleicht in ihren Dienst rufen.“

„Vergeblich würde sie rufen, denn ich werde mir eine andere Herrin erwählen, der ich bis zu meinem Tode dienen will, und später werde ich eine Frau finden.“

„Finde erst einmal den Ritterschlag.“

„O je! Oder wird es nach der Niederkunft der Königin keine Turniere geben? Und vorher oder nachher wird der König manchen zum Ritter schlagen. Ich werde jedem standhalten. Der Herzog hätte mich auch nicht umgeworfen, wenn mein Pferd nicht auf die Hinterhand gesessen hätte.“

„Es werden hier Bessere kommen als du.“

Darauf riefen die Landadligen aus der Gegend von Krakau:

„Beim lieben Gott! Da werden vor der Königin nicht solche auftreten wie du, sondern die berühmtesten Ritter der Welt. Es werden turnieren Zawisza von Garbów, und Farurey und Dobko Złodziej von Biskupice, und auch Jaschko Naszan, und Abdank von Góra, und Andrzej von Brochocice, und Krystyn von Ostrów, und Jakub von Kobylany. Wo willst du dich mit denen messen, mit denen weder hier noch am böhmischen Hofe, noch am ungarischen sich irgendjemand messen kann? Was redest du da, seist du besser als sie?“

Nach einer Weile fragten sie:

„Wie alt bist du?“

„Achtzehn“, antwortete Zbyszko.

„Dann wird dich jeder zwischen den Fingern zerdrücken.“

„Wir werden sehen.“

Doch Maćko sprach:

„Ich habe gehört, dass der König die Ritter, die aus dem Litauischen Krieg zurückkehren, reichlich belohnt. Sagt, die ihr von hier seid: Ist das wahr?“

„Bei Gott, das ist wahr!“, erwiderte einer der Adligen. „Die Freigebigkeit des Königs ist weltbekannt, nur wird es jetzt nicht leicht sein, zu ihm vorzudringen, denn in Krakau wimmelt es nur so von Gästen, die zur Taufe an den königlichen Hof reisen und dadurch unserem Herrn Ehre oder Huldigung erweisen wollen. Der König von Ungarn soll kommen, es wird kommen, wie man sagt, auch der römische Kaiser, und verschiedene Fürsten, und Grafen und Ritter wie Mohn, denn jeder erwartet, dass er nicht mit leeren Händen weggeht. Also in einem solchen Gedränge wird es nicht leicht sein, Zugang zu finden, aber wenn man erst einmal Zugang findet und den Herrn zu den Füßen nimmt – dann wird er den Verdienten reichlich versorgen.“

„Dann werde ich ihn auch nehmen, denn ich habe mich verdient gemacht, und wenn es Krieg gibt, werde ich wieder mitziehen. Ich habe dort etwas als Beute bekommen und etwas von Fürst Witold als Belohnung, und Not leide ich keine, aber im Alter, wenn die Kraft aus den Knochen weicht, möchte man gern ein ruhiges Plätzchen haben.“

„Gern sah der König die, die mit Jaschko von Oleśnica aus Litauen zurückkamen – und alle von ihnen essen jetzt fett.“

„Seht ihr! Und ich war damals noch nicht zurückgekehrt – und kämpfte weiter. Denn ihr müsst wissen, dass dieser Vergleich zwischen dem König und Fürst Witold sich an den Deutschen gerächt hat. Der Fürst zog listig die Geiseln an sich, und dann hopp, auf die Deutschen los! Er zerstörte die Burgen, brannte sie nieder, schlug die Ritter, machte eine Menge Volk nieder. Die Deutschen wollten sich rächen, zusammen mit Świdrygiełło, der zu ihnen geflohen war. Es kam wieder ein großer Feldzug. Der Meister selbst, Konrad, zog mit zahlreichem Volk dagegen. Sie belagerten Wilna, versuchten, mit furchtbaren Türmen die Burgen zu zerstören, versuchten, sie mit Verrat zu nehmen – sie richteten nichts aus! Und auf dem Rückzug kamen so viele um, dass nicht einmal die Hälfte zurückkehrte. Wir zogen noch einmal ins Feld gegen Ulrich von Jungingen, den Bruder des Meisters, der Vogt von Samland ist. Aber der Vogt fürchtete den Fürsten und floh unter Tränen, und seit dieser Flucht herrscht Ruhe, und die Stadt wird von Neuem aufgebaut. Ein frommer Ordensbruder prophezeite auch, dass von nun an, solange die Welt steht, Wilna keinen bewaffneten Kreuzritter mehr unter seinen Mauern sehen werde. Aber wenn das so sein wird, wessen Hände haben das vollbracht?“

Nach diesen Worten streckte Maćko von Bogdanietz die Hände vor sich aus – breite und überaus kräftige Hände – und die anderen begannen mit den Köpfen zu nicken und zu bestätigen:

„Ja, ja, daran ist etwas Wahres! Ja!“

Doch das weitere Gespräch wurde unterbrochen von einem Lärm, der durch die Fenster drang, deren Scheiben herausgenommen worden waren, denn die Nacht war warm und heiter hereingebrochen. Von fern hörte man Klirren, menschliche Stimmen, Pferdeschnauben und Gesang. Die Anwesenden wunderten sich, denn es war eine späte Stunde, und der Mond war schon hoch am Himmel aufgestiegen. Der Wirt, der Deutsche, lief auf den Hof des Wirtshauses, aber ehe die Gäste ihre letzten Krüge leeren konnten, kam er zurück und rief:

„Ein Hofstaat kommt da angerückt!“

Und kurze Zeit später erschien in der Tür ein Knecht in einem blauen Wams und einer roten, zusammenlegbaren Mütze auf dem Kopf. Er blieb stehen, blickte über die Anwesenden und, als er den Wirt erblickte, sprach er:

„Die Tische dort abwischen und Licht machen; Herzogin Anna Danuta wird hier zur Rast halten.“

Nach diesen Worten kehrte er um. Im Wirtshaus entstand Bewegung; der Wirt begann nach dem Gesinde zu rufen, und die Gäste blickten einander verwundert an.

„Herzogin Anna Danuta“, sagte einer der Bürger, „das ist doch die Tochter Kęstutis, die Frau Janusz von Masowien. Sie ist schon seit zwei Wochen in Krakau, nur ist sie nach Zator gefahren, zu Herzog Wenzel zu Besuch, und jetzt kehrt sie sicher zurück.“

„Gevatter Gamroth“, sagte der andere Bürger, „lasst uns aufs Heu in die Scheune gehen; das ist eine zu hohe Gesellschaft für uns.“

„Dass sie nachts reisen, wundert mich nicht“, ließ sich Maćko vernehmen, „denn am Tag ist es heiß, aber warum kehren sie, wo doch das Kloster nebenan ist, in ein Wirtshaus ein?“

Hier wandte er sich an Zbyszko:

„Die leibliche Schwester der schönen Rynga – verstehst du?“

Und Zbyszko erwiderte:

„Und es werden wohl viele masowische Fräulein bei ihr sein. He!“

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